jüdisch, vielstimmig, am Puls, in Bern:

Mit Café Maidon an der Promenade der Gegenwart

Der Kulturverein Tayelet70 nimmt seinen Namen vom hebräischen Wort für Promenade – und von den siebzig Sprachen, in denen der jüdischen Überlieferung nach die Tora am Sinai zugleich verständlich wurde. Siebzig Stimmen, eine Wertebasis, ein Ort: das ist auch unser Bild für Bern, wo die Aare mitten durch die Stadt fliesst und im Sommer Menschen aller Art an ihren Ufern zusammenbringt.

Die Strandpromenade Tayelet in Tel Aviv ist für uns Namensgeberin und Bild zugleich: ein Ort, an dem Leichtigkeit und Vielfalt, Verletzlichkeit und Lebensfreude zusammenkommen. In dieser Atmosphäre gedeiht auch Kunst.

Mit dem vielstimmigen Programm Café Maidon will der Kulturverein Tayelet70 als neues Kompetenzzentrum in Bern jüdisches Leben, Kultur, Geschichte und Gegenwart sichtbar machen und mit anderen Stimmen der Stadt ins Gespräch bringen – jüdisch, demokratisch, universal, vielstimmig, inklusiv, weltoffen.

Was will Tayelet70?

Der Kulturverein Tayelet70 verbindet Geschichten aus Bern mit der Gegenwart und stösst internationale Dialoge an. Er bringt jüdische, nahöstliche, feministische und intersektionale Stimmen vielschichtig ins Gespräch und sucht Kooperationen mit Institutionen und Personen, die kulturelle Vielfalt und Inklusion aus universaler, demokratischer Sicht mit Leben füllen.

Initiiert von: Hannah Einhaus, Historikerin, Publizistin, Kulturkommission Jüdische Gemeinde Bern; 
Johannes Lortz, Künstlerkollektiv Dark Tears Babylon, Bern;
Valerian Maly, Künstler, Kurator, Prof. em. Hochschule der Künste Bern.

Warum braucht es Tayelet70?

«Wer Hass und Hetze zulässt, ist ein Totengräber der Demokratie.»

— Georges Brunschvig, Bern (1908–1973), Anwalt, SIG-Präsident

Die Stadt Bern versteht sich als demokratische, inklusive Stadt für alle und engagiert sich für Menschen aus über 150 Staaten in ihrer kulturellen und religiösen Vielfalt. Doch es gibt einen blinden Fleck: Seit dem 7. Oktober 2023 wird jüdische Existenz und Kultur in dieser Stadt zunehmend zur Zielscheibe von Hassaufrufen und aus dem öffentlichen Leben Berns verdrängt. Verkürzte postkoloniale und antizionistische Denkweisen finden derweil in öffentlichen Debatten breite Zustimmung. Für die lokale jüdische Minderheit heisst das oft: die eigene Identität verbergen und schweigen, wenn das Recht auf jüdische Selbstbestimmung zum Vorwurf wird – mitten in Bern.

Inklusion mit Ausnahmen ist jedoch keine Inklusion mehr – sie ist antidemokratisch. Hier setzt Tayelet70 an: mit universalem Denken und Aufklärung gegen solche Verkürzungen, mit einem Kulturprogramm, das jüdisches Leben sichtbar macht und demokratische Stimmen stärkt.

Café Maidon –
unsere Veranstaltungsreihe

Ab September 2026 startet die Veranstaltungsreihe Café Maidon – der erste interdisziplinäre Kunst- und Kulturort in Bern rund um jüdische, universale und demokratische Werte, begleitet von Café-Atmosphäre: Lesungen, Gespräche, Konzerte, Ausstellungen und Performances, dazu Kaffee und Kuchen wie an einer bunten Promenade – ob am Strand von Tel Aviv oder entlang der Aare in Bern.

«Maidon» war der Kosename der Künstlerin Rose Christine Riekher Horkheimer (1887–1969), Frau von Max Horkheimer (1895–1973), führendem Kopf der Frankfurter Schule. Beide liegen auf dem Jüdischen Friedhof Bern begraben.

Die Anlässe finden vor allem in Bern im Progr Zentrum für Kulturproduktion / PerformanceSpace369 statt; dank mobiler Einrichtung und digitaler Aufzeichnung bleibt Café Maidon flexibel für weitere Orte in Stadt und Kanton Bern. Geplant sind jährlich rund 10 Veranstaltungen.

Werde Mitglied von Tayelet70
wir freuen uns auf Dich! 

Unsere Jahresbeiträge:

Einzelmitgliedschaft: CHF 50.–; Paare: CHF 80.–        
reduzierter Eintritt zu den Veranstaltungen

Gönnerin, Gönner: CHF 300.–
freier Eintritt zu den Veranstaltungen

Mitglieder erhalten Einladungen zu den Veranstaltungen und weitere Nachrichten/Newsletter über den Verein.

Melde Dich an für die erste Mitgliederversammlung des Kulturvereins Tayelet70 am 6. September 2026, 15.00 Uhr. (direkt vor dem ersten Anlass, siehe Spalte rechts) Anmeldeschluss: 2. September

Du erhältst eine Bestätigung Deiner Mitgliedschaft mit einem Einzahlungsschein per Post/Mail. Nach Erhalt des Mitgliederbeitrags erhältst Du eine Mitgliederkarte, um Dich jeweils an der Abendkasse und an der Mitgliederversammlung auszuweisen.

Unser Konto
IBAN CH46 0900 0000 1697 3457 4
Vermerk: «Mitgliederbeitrag»

Werde aktiv bei Tayelet70

Aktiv heisst etwa ganz praktisch: regelmässige oder einzelne Einsätze beim Kaffee- und Kuchenbüffet, bei der Einrichtung der Räume oder bei administrativen Aufgaben; Engagements in den Bereichen Kommunikation und Fundraising; Vernetzung mit Partnerorganisationen für unsere Programmgestaltung; Vermittlung bei der Suche nach Sponsoren u.a. Interessiert? Melde dich, wir erzählen gerne mehr: 

Kultur hat (leider) einen Preis – unterstütze Tayelet70

Neben Mitgliederbeiträgen und Einnahmen an den Anlässen werden der Kulturverein Tayelet70 und Café Maidon auf Spenden, Sponsoren und Subventionen angewiesen sein.

QR-Postfinance

IBAN:
CH 46 0900 0000 1697 3457 4
BIC: POFICHBEXXX
Vermerk: 
«Spende»

Kontakt & Impressum

Kulturverein Tayelet70
c/o PerformanceSpace 369 / Atelier 369
PROGR Zentrum für Kulturproduktion
Waisenhausplatz 30
3011 Bern
info@tayelet70.ch

Der Kulturverein Tayelet70 wird vertreten durch den Vorstand. Eingetragen im Sinne von Art. 60 ff. ZGB. Verantwortlich für den Inhalt dieser Website: Hannah Einhaus, Präsidentin

Datenschutz

Der Kulturverein Tayelet70 nimmt den Schutz deiner Daten ernst. Die für die Mitgliedschaft und Spenden erhobenen Angaben (Name, Adresse, Kontaktdaten, gegebenenfalls Zahlungsinformationen) nutzen wir ausschliesslich für die Vereinsverwaltung, die Kommunikation mit dir und – bei Spenden – die Zahlungsabwicklung über unseren Zahlungsdienstleister. Wir geben deine Daten nicht an Dritte weiter, ausser dies ist für die Zahlungsabwicklung notwendig oder gesetzlich vorgeschrieben. Du kannst jederzeit Auskunft über die bei uns gespeicherten Daten verlangen oder deren Löschung beantragen: info@tayelet70.ch

Odettes Verlobungskärtchen 1934 – ein erfolgreicher Start für Café Maidon

Der Saal war mit fast 50 Zuhörerinnen und Zuhörern bis auf den letzten Platz besetzt, als Valerian Maly, Mitbegründer und «Hausherr» des Performance Space 369, den offiziellen Anlass eröffnete. Der 6. September 2026 war die Premiere des neuen Veranstaltungsformats Café Maidon und der erste Auftritt des neuen Kulturvereins Tayelet70 überhaupt. Ab 16 Uhr konnten sich die Gäste im Café Maidon mit Kaffee und Kuchen verpflegen und am Büchertisch stöbern, um 17.30 Uhr begann der Vortrag von Hannah Einhaus über Odettes Verlobungskärtchen im Progr 1934

Im Rahmen des Europäischen Tages der Jüdischen Kultur stand die Liebe im Fokus. Künstler Johannes Lortz hatte dem Paar Odette Wyler und Georges Brunschvig bereits im Vorfeld ein Wandbild an der Schützenmatte gewidmet.

Um 17.30 Uhr folgte der Vortrag von Brunschvig-Biografin Hannah Einhaus, die mit der hochbetagten Odette Wyler rund 20 Interviews geführt hatte. Es ging um die Liebesgeschichte von Odette Wyler, die 1932-1935 im Gebäude des heutigen Progr die Töchterhandelsschule Bern besuchte und sich 1934, noch in der Schulzeit, mit 18 Jahren, mit dem Rechtsanwalt Georges Brunschvig verlobte.

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Einhaus zeichnete nicht nur die Liebesgeschichte mit ersten Rendez-vous im Tea Room um die Ecke nach. Sie erzählte ebenso über jüdisches Leben in Bern in diesen Jahren, über jüdische Identität zwischen Anpassung und Abgrenzung – ein «sehr, sehr schmaler Grat». Und mit dem 26-jährigen Rechtsanwalt Georges Brunschvig ging es im Bern dieser Jahre auch um einen weltweit beachteten Prozess zwischen Juden und Nazis. Nach ihrem Schulabschluss, im Mai 1935, sass Odette Wyler als Verlobte des Klägeranwalts mit 18,5 Jahren im Gerichtssaal und hatte dazu im hohen Alter lebhafte Erinnerungen. Die Heirat folgte im Oktober.

Nach dem Vortrag führten die Mitorganisatoren Valerian Maly und Johannes Lortz ein Sofagespräch mit Hannah Einhaus, mit anschliessenden Publikumsfragen.

Der Anlass erhielt sehr positive Rückmeldungen. Im Publikum sassen Personen, die Odette und Georges Brunschvig noch gekannt hatten, für andere öffnete sich ein neuer Blickwinkel auf ein Stück Berner Geschichte. Zu den Gästen zählte auch Berns Stadtpräsidentin Marieke Kruit.

Artikel von Peter Wäch, PlattformJ, 3. September 2026

 

Weitere Veranstaltungen

Portraits,Philipp Lenhard, München

5. November

Café Maidon
ab 18.00 Uhr
Vortrag:
ab 19.30 Uhr 

Philipp Lenhard: Friedrich Pollock, die Frankfurter Schule und die Schweiz

Der Sozialwissenschaftler Friedrich Pollock (1894-1970) ist einer der Mitbegründer der "Frankfurter Schule" der kritischen Gesellschaftstheorie. Wenig bekannt ist, dass die Schweiz in der Geschichte der Frankfurter Schule eine wichtige Rolle gespielt hat. Wie sein enger Freund und Kollege Max Horkheimer und dessen Frau Christine "Maidon" Riekher ist auch Pollock auf dem Jüdischen Friedhof in Bern begraben, obwohl keiner der drei jemals in der Hauptstadt der Schweiz gelebt hat. Der Vortrag zeichnet anhand von Pollocks Leben und Werk nach, wie es trotzdem zur Wahl dieser letzten Ruhestätte gekommen ist. Es wird dann sichtbar, dass die Kritische Theorie als Antwort auf die großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts zu verstehen ist.

5. November

Screenshot

16. Dezember

90 Jahre nach dem Churer Urteil gegen NS-Attentäter David Frankfurter: Wir erinnern an den jüdischen Studenten, der in Bern das Schiessen lernte und am 4. Februar 1936 den NS-Chef Gustloff in Davos erschoss.

90 Jahre nach dem Urteil in Chur (16. Dezember 1936) inspiriert die Geschichte in Bern auch künstlerisch – zum Beispiel beim Frankfurter Pfeiler an der Schützenmatte.

Mit Hannah Einhaus und Johannes Lortz, Bern